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In welcher Welt wollt Ihr leben?

22. Februar 2014

BLOG

Denk mal mit„Sprache generiert Wirklichkeit“ – ein Thema, das mich seit langem schon begleitet – und ich sehe auch immer mehr  Beispiele, die das Bestätigen. Für mich ist Sprache nicht auf die reine Verbalisierung reduziert, sondern auch auf die Bildsprache und der Haltung dahinter.

Wer stetig negativ das „Schlechte“ fokussiert oder/und ausspricht (und dabei ist schon die Wortwahl entscheidend) wird auf sein Umfeld entsprechend wirken. „Stromberg“ ist für mich so ein Phänomen – mit sicher vielen lustigen Szenen – aber in der Regel unter der Gürtellinie und fast ausschließlich auf Kosten Anderer. Je mehr ich solche „Beispiele“ konsumiere, um so normaler wird das und wandert in den eigenen Sprachgebrauch – und schließlich in Haltung und Handlungen. Und ehrlich das ist nur so lange lustig, so lange ANDERE betroffen sind… –

Wollen wir in einer solchen Welt leben?

Aktueller Fall, der für mich in die gleiche Richtung geht sind die beiden sehr erfolgreichen Marketing Filme von DHL und CocaCola (und ich will hier für keinen Werbung machen). Auf der einen Seite haben wir einen Film, der auf gelungene Weise ein aktuelles Problem anspricht und humorvoll eine Lösung anbietet – auf der anderen Seite wird ein Mitbewerber missbraucht, dessen Mitarbeiter bewußt in prekäre Situationen gebracht, um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen.

Wichtig: es geht mir nicht um die Firmen, die dahinter stehen, sondern um die Richtung in die Marketing gehen kann – und welche Wirkung das auf uns hat (meist unbewusst):

Hier die Beispiele: (die ich eigentlich nur ungern verwende – und damit die Verbreitung noch mehr fördere, aber kennen sollte um zu verstehen, was ich meine)

 

  
 
 

Sehe ich das zu kritisch? – Was meint Ihr dazu?

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14 Responses to “In welcher Welt wollt Ihr leben?”

  1. Jörg Allmann Sagt:

    Hallo,

    mein Deutschlehrer – und das war vor 40 Jahren – hat immer gesagt: Niveau kann man senken, bis unter den Kanaldeckel. Die DHL-Werbung ist für mich solch ein Beispiel. Die Cola-Werbung finde ich eher witzig, weil es eine Kanibalisierung unter Konsumterroristen ist. Pathologische Kommunikation gegen pathologische Ernährung.
    Eigentlich besteht ja für die Unternehmen auch immer das Risiko des Shitstorms in solchen Aktionen, aber selbst da bin ich mir nicht sicher, ob ein Shitstorm wirklich schadet. Der Zeitgeist 2014 macht mich da eher zum Kulturpessimisten. Der konsumierende Lemming erinnert sich später nur, dass da etwas war, was Aufmerksamkeit erregt hat, nicht mehr daran, dass es Kritik gab.
    Leider funktionieren die Social Networks nicht so richtig zur sozialen Kontrolle oder zur Einhaltung gewisser ethischer Grundsätze. Stattdessen überwiegen die Claqueure, die Liker, die Sharer. Selbst eigentlich riskante Werbekampagnen wie „Geiz ist geil“ oder „Die Frau mit den drei Brüsten (MediaMarkt)“ sind unterm Strich ein voller Erfolg.
    Intelligent fände ich, wenn die Entgleisungen der Werbeindustrie durch ein gelungenes Karikieren wiederum getoppt werden und somit zum Boomerang werden. Bei der Cola-Werbung könnte man z.B. ein Filmchen bieten, in denen der Cola-Trinker sich den flüssigen Klebstoff in die unhandliche Halskrause kippt. Wäre das eine positive Reaktion?

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    • haraldschirmer Sagt:

      SUPER Jörg, das wäre für mich eine super auch INTELLIGENTE Antwort – Wir nutzen die Kreativität der Menge – eine hochwertige, auch humorvolle, aber klar entlarvende Antwort zu geben. Die Frage ist, wie aktivieren, motivieren und vernetzen dazu die richtigen Leute. Ich glaube es gibt genug Leute, die das durchschauen – und sehr viele, die „doch recht zufrieden“ mit allem sind, bzw. nie dagegen Aktiv werden würden. Der Trend ist aber doch – wie Du schreibst – eher pessimistisch zu beurteilen. Wir haben jetzt die Möglichkeiten genau diese Macht auch positiv zu nutzen…

      Antwort

  2. Kerstin Schmitt Sagt:

    Vielen Dank für diese Gedankenanregung, Herr Schirmer.

    Ich finde solch eine Sensibilisierung zum Thema „Sprache generiert Wirklichkeit“ und das, was uns dazu täglich begegnet sowohl persönlich als auch gesellschaftlich sehr wichtig. Ich will gar nicht auf die einzelnen Fälle direkt eingehen, schätze aber die Impulse, die dadurch für eine Diskussion oder Gedankenanregung(en) gegeben werden. Ich finde die Frage „In was für einer Welt“ wollen wir leben diesbezüglich sehr zielführend. Vielen Dank!

    Ich möchte zu diesem Thema auch die Beschäftigung mit der Hirnforschung anregen. Bin selbst zwar auch kein Fachmann/keine Frachfrau, aber nach allem, was ich bisher dazu mitbekommen habe, kann es sehr weiterführend sein, sich einmal vor Augen zu führen, was für Auswirkungen sowohl Sprache(und das dahinterstehende „Bilderdenken“) auf unsere Wirklichkeit hat als auch das, womit ich mich beschäftige bzw. worauf ich meinen Fokus setze.

    Am Themenbeispiel: Was bewirkt es, für mich und meine Wirklichkeit, wenn ich mich an der Degradierung anderer erfreue? Vor allem auch unbewusst!

    Übrigens kann auch mich der „humorvollen“ Kreativität des Spotverfassers nicht entziehen. Von der Kreativität, die dahinter steht, fühle ich mich schon sehr angesprochen. Die Haltung bzw. die Sichtweise, in der die Menschen mit den präparierten Paketen gezeigt werden gefällt mir nicht(dank der Sensibilisierung von Herrn Schirmer – noch mal danke.)

    Unterbewusst dominiert meine Achtung vor der Kreativität und dabei verliert die zweite Ebene meine Aufmerksamkeit. Durch diese Sensibilisierung durch Herrn Schirmer hier, kann ich jetzt aber beide Ebenen wahrnehmen und auch sprachlich erfassen. Das ist meines Erachtens ein Fortschritt! Denn ich kann dadurch auch beide getrennt voneinander betrachten.

    Also mein Fazit: Hut ab vor der Kreativität der Spotverfasser. Und Daumen runter vor dem gezeigten Menschenbild darin.

    In was für einer Welt ich leben möchte? In einer mit viel, viel Kreativität und viel, viel Respekt und Achtung für Mitmenschen! In einer Welt, in der Menschen wohlwollend als Menschen betrachtet werden und nicht als „Etwas“ – wie in diesem Fall wandelnde Werbeträger.

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    • haraldschirmer Sagt:

      herzlichen Dank Frau Schmitt, sie bringen „Partner“ in die Diskussion, die ich sehr vermisse. Zu gerne hätte ich unsere Natur- UND Geisteswissenschaften hier (mit hier meine ich das Internet) sichtbarer werden. Mir ist natürlich bewusst, das die „Oberflächlichkeit“ an der wir hier kratzen sicher ein großes Problem für wissenschaftliche Diskussion ist – aber wo wird denn eine tiefergehende (ich finde Ihren „Ebenenbezug“ hier sehr hilfreich) Auseinandersetzung zu all den doch kritischen Themen geführt?
      Natürlich will ich keine Spassbremse sein – und ja ich fand beide Videos auf den ersten Blick auch cool!
      Mir ist es einfach immer wichtig auch ein paar Schritte weiter zu denken – und auch in einer (vielleicht naiven) Hoffnung auf Gestaltungsmöglichkeit einer positiveren Welt.

      Antwort

  3. HJ Sturm Sagt:

    Hi Harald, Danke für die Diskussion. Es gibt sicher Werbung, die echt übel ist, aber ich finde es gehört auch etwas Humor dazu. Ok, es war eigentlich keine DHL Werbung, aber die idee fand ich gut. Wenn in diesem Fall jemand einen Shitstorm verdient hätte, dann UPS falls sie einen Mitarbeiter deswegen rauswerfen oder abstrafen würden. Das wäre unterste Schublade. VG HaJ

    Antwort

    • haraldschirmer Sagt:

      HJ, guter Punkt zu verfolgen, was jetzt bei den anderen passiert – wenn wir das mitbekommen (ist ja (noch) nicht jeder im Web aktiv. Was den Humor angeht – ja auf jeden Fall – es muss doch nur nicht imm auf kosten Anderer sein.
      Aber zurück zu meinen Ursprungs-Bedenken … auch Deine Reaktion ist doch jetzt: Wer sich nicht korrekt verhält – soll mit einem „Shitstorm“ bestraft werden. Soll das dass Standard Bestrafungsmittel sein? Shitstorm ist eine Welle von Beschimpfungen und vernichtenden, hässlichen Schimpfworten – fühlen wir uns besser danach? Ist das nicht in der Regel mehr Marketing als Schaden? Wollen wir als Erwachsene das unseren Kindern vorleben?
      Auch hier HJ bitte nimm das nur nicht persönlich – aber Deine Reaktion scheint eine inzwischen völlig normale (und ich möchte mich jetzt hier auch nicht als der oberkritische Gutmensch darstellen!!)

      Antwort

      • HJ Sturm Sagt:

        Hi, bzgl. Shitstorm gebe ich Dir vollkommen recht. Ich habe das hier nur erwähnt weil es schon Thema der Diskussion war. Selber habe ich an noch keinem teilgenommen, wahrscheinlich aus demselben Grund den Du anführst. Es ist keinprobates Mittel der Diskussion. Aber es hat auch schon Unternehmen sehr schnell zum Umdenken gebracht. Und dann haben wir die Frage darf ich eine unmoralische/schlechte Aktion mit einer ebensolchen bekämpfen/verändern? Oder wie schlimm müsste die Situation sein, dass ich es darf?
        Soziale netzwerke geben uns eine enorme macht, die wir vorher nicht hatten. Aus macht resultiert IMO auch verantwortung. Aber es gibt viele, sehr viele, die diese nicht für sich übernehmen.
        Aber um auf den Ursprung Deines blogs zurückzukommen, ich fand die Pseudo-DHL Aktion lustig und am Ende des Videos sieht man auch einen UPS Mitarbeiter, der den Slogn überklebt hat. Klasse.

      • haraldschirmer Sagt:

        Was Du in meinen Augen richtiger Weise ansprichst ist die Frage nach der „Verhältnismäßigkeit der Mittel“ in einer aktuell noch großen Grauzone. Wir haben heute völlig neue „Mittel“ an der Hand, deren Wirkung noch niemand richtig abschätzen kann. Vielleicht wäre auch in Wikipedia (oder an anderer Stelle) eine „langfristige“ Betrachtung (also Darstellung der Folgen) nicht unsinnig.
        Besonders gut finde ich auch Deinen Bezug zur „Verantwortung“, die heute immer größer wird. Mein Handeln hat durch das Fehlen des „Vergessens“ im Internet quasi unendliche Folgen (das ist natürlich in den meisten Fällen sicher nur rein theoretisch…). Wie gehen wir damit um, plötzlich viel mehr Macht zu haben – tragen wir (oder sind wir dazu überhaupt in der Lage) eventuelle Konsequenzen?
        … und ja das überklebte Paket war eine klasse Reaktion des Mitarbeiters (da würde mich jetzt auch wieder die Aussage eines Rechtswissenschaftlers interessieren – ist es rechtlich zulässig, ein Paket so zu verändern? ;-) … denn im nächsten Schritt, könnte doch UPS auf die Idee kommen, auf jedes Paket einen großen Werbeaufkleber anbringen (und ich meine damit jetzt nicht eigenWerbung – sondern für zahlende Kunden … weil man ja schon sehen konnte, das Pakete, die durch die Stadt getragen werden hohe Werbewirksamkeit haben)

  4. Rainer Gimbel Sagt:

    Korrekt, und wenn ich ganz ehrlich bin, weiss ich nicht, wie ich auf das Video ohne Deinen Blog reagiert hatte (auf Facebook war man ja offenbar auch von der Kreativität beeindruckt).

    Schon mal gut zu wissen, dass das Ganze nicht offiziell von DHL in die Welt gesetzt wurde:

    http://consumerist.com/2014/02/21/did-dhl-use-color-changing-packages-to-trick-ups-into-delivering-giant-dhl-ads/

    Antwort

  5. Rainer Gimbel Sagt:

    Hallo Harald,

    vielen Dank für das „Aufmerksam machen“ auf solche „Verwerfungen“. Generell sorge ich mich nicht um satirische Darstellung wie Stromberg (denke, so war der Blog auch nicht gemeint).

    Für die entwürdigende Werbung hat DHL aber meines Erachtens einen „Shitstorm“ verdient. Finde ich völlig daneben. Wer denkt sich so etwas aus und – vor allem – wer genehmigt das bei DHL?

    Antwort

    • haraldschirmer Sagt:

      Hallo Rainer, auch vielen Dank für Deinen Kommentar – denkst Du ein „Shitstorm“ wäre eine ethisch korrekte Antwort auf diese Aktion von DHL? – mir würde eine offene, konstruktive Diskussion als gute Möglichkeit offen Gedanken auszutauschen und für eine höhere Aufmerksamkeit bzw. kritischere Wahrnehmung zu bekommen, genügen.

      Antwort

      • Rainer Gimbel Sagt:

        ooops! Voll erwischt!

        Recht hast Du! In einer Welt voller Shitstorm wünschen wir uns auch nicht!

        :-)

      • haraldschirmer Sagt:

        kein Thema – aber eigentlich ist es auch das was ich meine (und das soll sicher kein Angriff oder eine Abwertung sein) … wenn man überall solche Aktionen / Reaktionen vorgelebt bekommt (und sei es nur in Filmen, Werbung, Talkshows) – übernimmt man das ganz automatisch

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