Immer wieder höre ich die Frage, ob man nicht statt mit einem Macro-Objektiv nicht auch mit einem Tele-Objektiv gleiche Ergebnisse bekommen kann.

Dieser Frage zum Thema Abbildung von "kleinen" Dingen möchte ich hier auf den Grund gehen.
Ein kleiner Marienkäfer ist ungefähr 7 Millimeter lang und ca. 5 Millimeter breit. Abbildungsmaßsstab 1:1 wäre erreicht, wenn der Käfer auf dem Foto genau wieder die gleiche Größe hätte.
Die erste Zahl ist immer die Abbildung, die zweite Zahl das Original
Maßstab 5:1 bedeutet also, dass z.B. der Marienkäfer auf dem Foto 35mm x 25mm groß sein müsste

Wir kennen das auch von Karten (Maßstab 1:10.000 bedeutet 1 cm auf der Karte entsprechen 10.000cm in der Wirklichkeit) oder aus dem Modellbau
Schon ab einem Abbildungsmaßstab vom 1:4 wird ein Objektiv als "macro-fähig" bezeichnet - daher haben viele Standard-Objektive einen Macrobereich.
"Man kommt einfach nicht nah genug ran" - Das liegt hauptsächlich an der durch das Objektiv vorgegebenen Naheinstellgrenze - also bis zu welcher Nähe kann die Kamera mit dem verwendeten Objektiv noch scharfstellen.
Typische Werte für Normalobjektive sind 30cm, im Telebereich ca. 50cm bis 1m. Macroobjektive können teilweise bis zu einem Zentimeter nah an das Objekt ran.
Jetzt lässt sich schnell erkennen, dass mir ein 300mm Teleobjektiv nichts hilft, wenn ich einen Meter wegbleiben muss - hingegen das 60mm Macroobjektiv bis auf einen Zentimeter ran kann
Auch ein wichtiger Punkt - zumindest bei Tierfotografen, ist die "Flucht-Distanz" - Welche Liebelle hält schon ruhig, wenn ein riesen Objektiv auf sie zukommt. Hier helfen dann wieder die verschiedenen Brennweiten von Macroobjektiven.
Bei 60mm muss man sehr nah ran, 100mm sind ein guter Mittelweg, 180mm geben schon einigen Spielraum für sehr ängstliche Gesellen.
In einem Versuchsaufbau habe ich mir als Objekt einen auf einem Papier aufgedruckten Vogel mit 5mm Breite ausgewählt. Der Vogel wird auf einen Tisch gestellt und die Kamera auf gleicher Höhe mit Stativ aufgestellt.
Die Größe der Einzelbilder stellt immer die jeweilige Größe in Pixeln dar:

Ein 100mm Macro-Objektiv bildet den Vogel mit großem Abstand am größten ab - immerhin fast vier mal größer als ein 300mm Teleobjektiv. Das 24-105mm Standard-Zoom hat bei 105mm fast den gleichen Abbildungsmaßstab wie das 300mm Tele.
Will man also etwas sehr kleines - "Groß" rausbringen, kommt man nicht um ein Macro-Objektiv herum.
Noch bessere Ergebnisse bekommt man mit sogenannten Lupen-Objektiven oder mit Balgen-Geräten.
Kann man ein Objekt, das größer ist als der Sensor in der Kamera (Kleinbildformat 35x24mm) überhaupt 1:1 abbilden?