RSS

Deutsche Gründlichkeit tötet Innovation?

Ein paar Gedanken auf die Schnelle – inspiriert durch die vielen Diskussionen zu #Tesla #Model3:

Es sind Tugenden die uns Jahrzehnte lang erfolgreich gemacht haben: Gründlichkeit, Genauigkeit, Effizienz, Strukturiertheit und logische Erklärmodelle. Genau das wird uns in der Komplexität, der Unberechenbarkeit aber vor Allem in der Geschwindigkeit einer VUCA Welt zum „Klotz am Bein“. Nicht, dass wir das nicht mehr brauchen, aber es hat Ausmaße angenommen, die kaum noch Kreativität, Freude an der Arbeit oder echte Innovation zulassen. Hier mein Post von heute Morgen:

innovationskiller

‪#‎KPI‬’s  ‪#‎ROI‬ lückenloses ‪#‎Controlling‬ und beeindruckende ‪#‎Effizienz‬ sind die wahren ‪#‎Innovationskiller‬ in Deutschland. Wer jede MiniIdee zuerst vorrechnen, jede Änderung per BusinessCase beweisen und nur ‪#‎Budget‬ bekommt, wenn das Gremium der „Alten“ den Segen gibt, muss sich nicht wundern, wenn es nur noch Versionen von schon Bestehenden gibt. Es ist kaum Zeit mehr zum ‪#‎Basteln‬, wenig ‪#‎Mut‬ zum ‪#‎Risiko‬ und zu großer Respekt vor zu vielen Regeln.
‪#‎Entrepreneurs‬ sind nur einem verpflichtet – Ihrer ‪#‎Mission‬ der Rest ist Prio B

Ein Blick in die deutsche Historie zeigt, das gerade die schwarzen Projekte (so nannte man Projekte, die im Schatten – und an allen Systemen vorbei – entwickelt wurden) Deutschland zum Innovationsmotor gemacht hat. Heute sind wir so effizient, das jede Minute verplant, jeder Euro aufgeschrieben und jede Idee sofort von diesem System „assimiliert“ wird. Neben Innovation ist auch das lebenslange LERNEN ein großer Verlierer in diesem Spiel – und gerade das ist besonders wichtig, wenn sich die Welt schnell verändert. Sicher sollten wir diese Tugenden behalten, aber eben SOWOHL ALS AUCH – uns um dynamische, agile, offene Kommunikation und Zusammenarbeit bemühen. Auch mal Raum zum „Spielen“ lassen, bewußt das „Ja aber“ unterdrücken, Informationen teilen – bevor sie perfekt sind (sind sie eh nie – xxx.Final.Final_V5 ) und mehr Vertrauen in unser Bauchgefühl oder unsere Innovativen Kompetenzen, einen #MutAnfall am Tag – um auch spannende Dinge zu verfolgen, die nicht gleich einem VorstandsPitch standhalten…

 

Die Kompetenz und Methoden, die uns bisher erfolgreich gemacht haben,
werden nicht reichen, um weiterhin erfolgreich zu sein!

 

Es häufen sich Berichte über Vorstände und Verantwortliche, die versuchen, diesen „Apparat“ und diese Haltung (nur was Fertig und Perfekt ist, darf raus) zu verändern – oft wird hier von „Zerstörung“ gesprochen – oder Auswegen wie Startups finanzieren, Ausgründungen und eigene Konkurrenz aufbauen. Die Frage ist, wer gewinnt.

Im Bezug auf Tesla stellt sich für mich jetzt die Frage der Geschwindigkeit und Priorität: Kann Tesla schneller Produktionskapazität aufbauen (Finanzierung dafür sollte jetzt wohl kein Thema mehr sein) oder schaffen es die „Alten“ Ihre gesamte Firmenkultur und Organisation zu verändern… Ein Blick auf derzeitige Erfahrungen zeigt: Neues Produktionswerk geht in unter einem Jahr, Kulturwandel nicht unter 8 Jahren (bei maximalem Kommitment)

Vielleicht sollten wir eine Sammlung der Produkte beginnen, die es nicht gäbe, wären wir damals so effizient gewesen…

, , , , , , , , , , ,

2 Responses to “Deutsche Gründlichkeit tötet Innovation?”

  1. Hans-Cristian Eppich Sagt:

    Mega-Beispiel:
    Flüssigkristalle von Merck wurden über Jahre von den Merck Forschern als „U-Boot“ Projekt weiterentwickelt. Sogar als der Vorstand das Vorhaben untersagt hat, wurde die Technologie weiterentwickelt.
    Als Flüssigkristalle schließlich in Displays benötigt wurden, war Merck DER Hersteller. Über mehr als 3 Jahrzehnte hat Merck den Markt beherrscht und einen Marktanteil zwischen 60-80% erreicht.
    Ganz generell habe ich allerdings den Eindruck, dass „Deutsche Gründlichkeit“ oft zu Unrecht am Pranger steht. Nicht umsonst steht Deutschlands Wirtschaft seit Jahrzehnten an der Weltspitze. Gilt auch für Innovationen. Manchmal over-engineered, allerdings eben auch oft sehr „marktreif“ und mit hoher Qualität.

    Antwort

  2. Xaver Dietz Sagt:

    Als Ingolstädter kann man sich daran erinnern, dass der Audi 100 so ein schwarzes Projekt war. Angeblich hat Dr. Ludwig Kraus, der damalige Entwicklungschef bei der Auto Union, den Audi 100 sogar gegen den ausdrücklichen Auftrag aus der Konzernzentrale in Wolfsburg heimlich fertig entwickelt. Damit wurde der Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Ingolstädter gelegt. Man wird wohl vergeblich hoffen, dass bei Audi auch heute irgendwo ein heimlich entwickeltes Model3 steht, das die damalige Innovationskraft hat, die in einem verändertern Umfeld von autonom und schadstofffrei Fahren notwendig wäre.

    Antwort

Schreib ein Feedback!