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Gelerntes vergessen lernen?

Denk mal mitWas für ein seltsamer Titel? Am 21. September startet der Corporate Learning 2.0 MOOC #CL20 – in Vorbereitung darauf möchte ich einige Gedanken teilen, die mich zum Thema „lernen“ seit langem beschäftigen. Das Beschreibung entstammt aus verschiedenen eigenen Erlebnissen aber auch Erfahrungen mit diversen Change Projekten, Trainingssituationen zu verschiedenen Organisationsprojekten und aus der Kulturentwicklung. Letztlich hat die Agilität, Dynamik und „Wucht“ der Digitalen Transformation den Stein ins Rollen gebracht.

Lernen verbildlicht:

Dschungel

Dschungel       Foto: © Irochka

Bevor wir etwas über einen Sachverhalt „wissen“ herrscht in diesem Bereich Dunkelheit. Wir haben eventuell nur eine Ahnung, wie etwas sein könnte. Im übertragenen Sinn gehen wir also in einen unbekannten Dschungel. Dort gibt es Vorgaben, Möglichkeiten und Hindernisse. Mit unserer „geistigen“ Machete bahnen wir uns einen Weg durch das Dickicht in Richtung Ziel. Wir kommen eventuell vorbei an massiven Bäumen, um die wir herum müssen, an Tümpeln, die dunkel und unergründlich sind, wir nutzen Lianen oder ein Floß. All das ist meist beschwerlich. Dieser Weg durch den Dschungel steht für die Prozesse, Lernschritte oder den Formeln, die uns -haben wir sie einmal gefunden – künftig schneller voran bringen.

Wenn es schon ausgetretene Wege gibt, kommen wir schneller voran und können auf den Spuren von anderen, sicher und komfortabel ans Ziel gelangen. Während der Schulzeit nimmt uns eventuell jemand an die Hand und zeigt uns diverse bekannte Pfade. Je weniger wir selbst versuchen Wege zu finden umso geringer ist die Chance die Fähigkeit zu entwicklen, sich selbstständig im Dschungel (= Neuland) zu orientieren.

Hier kommt das Problem:
Die entstandene Dschungel-Landkarte gibt uns Sicherheit und Komfort was das Risiko birgt, träge und lernfaul zu werden. Das würde zunächst kein Problem darstellen, wenn alles so bliebe, wie wir es kennen.

Neue Wege

Neue Wege tun sich auf      Foto: © Mopic

Mit der digitalen Transformation, der Globalisierung und all den omnipräsenten Veränderungen – überall – wäre es doch naiv zu glauben, dass das keinen Einfluss auf „alles“ hat. Um in dem Bild zu bleiben – die Bäume gibt es vielleicht längst nicht mehr, der Weg – der so bequem ist – stellt sich mehr und mehr als Umweg dar, der Dschungel ist vielleicht schon Wüste oder Meer und der Tümpel ist unermesslich gewachsen. Damit nicht genug: immer mehr Menschen proklamieren, dass Ziele sich verändern, veraltet sind oder gar irrelevant wurden. (Ein Beruf nicht mehr notwendig ist, eine Kompetenz keine Zukunft mehr hat, ein Geschäftskonzept abgelöst ist). Die 2-dimensionale Weltscheibe mit unseren gelernten Lösungspfaden ist plötzlich 3-dimensional zur Kugel geworden – und plötzlich gehen andere in eine völlig andere Richtung – und erreichen ihre Ziele schneller – und haben sogar Spass dabei.

Ein „Teenager“ kann heute aus dem Kinderzimmer heraus über Plattformen wie Kickstarter MillionenBudgets für eine Idee bekommen, sein Produkt vielleicht neben dem Schreibtisch 3D ausdrucken und hat schon einen zahlenden Kundenstamm, bevor er „Marketing“ buchstabieren kann. Das ist eine Konkurrenz zu großen Konzernen, die durch risikolimitierende Controller und sicherheitsbewußte Führungskräfte kaum noch freies Budget oder andere Ressourcen haben. Hinzu kommt dann noch das Problem mit dem „Gelernten“ – Hoverboards, Drohnen, selbstfahrende Autos, intelligente Kühlschränke, Energie erzeugende Reifen… entsprechen nicht den gelernten Sichtweisen. Typische Aussagen oder pauschale Urteile wie: „Das hat ja noch nie funktioniert – und kommt auch nicht so schnell…“ „Gut Ding will Weile haben lehrt uns die Erfahrung“ …bremsen die zum Lernen erforderliche NeuGier aus.

Alle sagten: Das geht nicht. Bis einer kam, der wusste das nicht und hat's gemacht

Alle sagten: Das geht nicht. Bis einer kam, der wusste das nicht und hat’s gemacht      Foto: Facebook

Wir müssen also in einer sich schnell und stark ändernden Welt DRINGEND hinterfragen, ob unser „Gelerntes“ nicht immer öfter hinterfragt werden muss. Also das, was man weiß, vielleicht nicht zu vergessen, aber immer wieder in Frage zu stellen. Das bedeutet zu beginn Risiken einzugehen und Geschwindigkeitsverlust hinzunehmen, womit sich dann jedoch völlig neue, schnellere und effizientere Lösungswege ergeben können.

Persönlich mache ich immer wieder die Erfahrung, dass meine Vorschläge für neue Methoden, um ungewöhnliche Wege zu finden und visionäre Ziele zu erreichen als „naiv“ bezeichnet werden. „Man weiß doch, dass das nicht funktionieren kann“. – Genau in dieser offenen Herangehensweise sehe ich einen wichtigen Erfolgsfaktor: Öfter mal nicht auf Gelerntes vertrauen, sondern alle bekannten Hindernisse auszublenden; Ideallösungen entwerfen (eine Vision beschreiben), um dann rückwärts zu entwickeln, wie ein zielführender Weg aussehen könnte.

Wissen ist Macht…
kann aber auch eine sehr einschränkende Last sein:

Einschränkender Ballast

Einschränkender Ballast     Foto: © Tijana

Ob ich mir Methoden zu Change Management, Führung, Trainingskonzepte oder Entwicklung von Produkten und Services ansehe – überall sind wir noch geprägt von Limitierungen aus einer Zeit, in der die Umwelt stabil, Kommunikation lokal, Zusammenarbeit physikalisch, globales Sharing nicht erfunden oder Wissen einigen Wenigen vorbehalten war. All das hat sich bereits dramatisch geändert – nur wir… glauben immer noch das einmal Gelerntes (oder Erfahrungen) ohne Anpassung auf diese neue Welt anzuwenden sind.

Und wie lernen wir wieder neu?

Das ist „Kinder“leicht;-)
mit NeuGier und VorFreude!

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5 Responses to “Gelerntes vergessen lernen?”

  1. Alexander Schaaf Sagt:

    Absolut Klasse Beitrag der mir aus der Seele spricht. Ganz nach dem Motto:
    „Die Menschheit von heute wird mit Methoden von gestern sicherlich nicht die Probleme von morgen lösen können.“ Ich denke das ist eine passende Ergänzung zu diesem Beitrag.

    Ich bin noch auf ein interessantes Thema gestossen bei Veränderungsprojekten. Veränderung bewirken durch „fordernde Zielformulierung“…ich bin das gerade noch am ausarbeiten bzw. für mich am verarbeiten…aber sehr spannend auch in Bezug auf oben gesagtes…

    Antwort

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