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Privatsphäre und Internet

7. Oktober 2012

BLOG, Internet, Internet-Tipps, Politik, Tipps

Denk mal mitDas Internet verlangt von uns einen Spagat zwischen der Nutzung der vielen tollen Möglichkeiten und einer weitgehenden Aufgabe der Privatsphäre. Durch die Einladung für @Mein_Ingolstadt für eine Woche Botschafter zu sein, habe ich mir wieder viele Gedanken zu diesem Thema gemacht. Mit diesem Artikel möchte ich ein paar davon beschreiben.

Um einen Einstieg zu finden, habe ich hier versucht die Nutzung vom Internet in 3 Intensitäten zu gliedern, von denen ich glaube, dass sie die Mehrheit abdeckt:

1. Nicht-Nutzer / Wenig-Nutzer:

Wer das Internet komplett ignoriert, wähnt sich auf der sicheren Seite – was definitiv eine grobe Fehleinschätzung ist. Viele der im Netz angebotenen Services nutzen inzwischen die Adressbücher ihrer Nutzer, Fotos werden von Vereinen, Feiern und öffentlichen Veranstaltungen veröffentlicht, Suchmaschinen bauen Profile von Nutzern auf und speichern Suchanfragen. Als „Nicht- oder WenigNutzer“ hat man darauf keinerlei Einfluss – es wird also ohne eigenes Zutun bereits eine gewisses Profil aufgebaut. Sie profitieren auch am Wenigsten von den Möglichkeiten, die das Internet bietet, das Risiko ist aber auch relativ überschaubar.

2. Durchschnittsnutzer:

…surfen regelmäßig im Netz, sind bei Facebook oder anderen sozialen Netzen angemeldet, laden Fotos oder Videos ins Netz, kaufen öfter online ein und benutzen die Bewertungsportale ohne selbst einen großen Beitrag (Rezessionen, Bewertungen…) zu leisten. Ihre Nutzung ist sehr deutlich Zweckgebunden -also Ausübung des eigenen Hobbys oder kommunizieren mit Freunden und Familie. Es werden dabei schon sehr detaillierte persönliche Informationen preisgegeben. Durch das Verhalten, die Online-Zeit und Suchanfragen kann schon eine recht klare Identität erkannt werden. Nutzen und Risiko wiegen sich hier je nach Ausprägung und Verhalten teilweise auf. (Natürlich nur, wenn nicht zu viel persönliches, privates preis gegeben wird)

3. Digital Natives (im Internet zu Hause – Dauernutzer):

Sie sind eigentlich immer online – immer auch mobil über Smartphones. Neben Twitter und anderen Statusmeldungs-Kanälen nutzen sie auch eine Vielzahl von Lokalisierungs-Services (z.B. Foursquare) arbeiten in Bewertungsportalen, haben einen eigenen Blog oder eine Webseite. Vernetzen selbst alle Service Angebote um optimales Suchmaschinen „Ranking“ (=bestmögliche Suchergebnisse für eigene Inhalte) zu bekommen. Privatsphäre ist hier bei den Meisten nicht mehr Priorität – da das „Spielen mit den Möglichkeiten“ im Vordergrund steht (ohne durch das Wort „Spielen“ den Nutzen in Abrede zu stellen). Digital Natives lernen stetig das „Meiste“ aus den Angeboten für sich selbst herauszuholen und verwenden es für eine Vielzahl von Tätigkeiten oder Entscheidungsfindung (Arbeit, Freizeit, Essen gehen, Treffen, Einkaufen…)

 

Kritische Betrachtung – was passiert, wenn ich im Netz „aktiv“ werde:

Social Media hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber „Software“ wie sie die meisten kennen. Die dort Angebote dort sind einfachst zu bedienen, technische Hürden sind auf ein Minimum reduziert. Oft wird ganz nebenbei (oft auch aus Unwissen) die Privatsphäre – oft völlig nutzlos – aufgegeben. So bieten Facebook, Twitter und viele andere z.B. auch die Möglichkeit den „Ort“ an dem die Person sich gerade befindet mitzuspeichern. Das ist einerseits ein toller Service und bietet viele Möglichkeiten. Gleichzeitig ist damit schnell Tür und Tor für Missbrauch geöffnet. („jeder“ kann sehen, ob man zu Hause ist oder nicht)

Auch die Uhrzeit und der Rhythmus, in dem Meldung geschrieben werden, machen den Autor transparent. Bestimmte Nachrichten zu bestimmte Zeiten lassen schnell ein Profil erstellen, das auch wieder missbraucht werden kann.

Ankündigungen im Netzwerk sei es „Wir gehen dieses Jahr nach … in Urlaub“ oder auch Informationen über gerade getätigte Einkäufe lassen schnell Rückschlüsse über den Haushalt und Lebensstandard zu.

Lokalisierungs-services wie Foursquare machen es unglaublich einfach, an verschiedenen Orten „einzuchecken“ – also eine Art Logbuch zu erstellen, wo man überall war. Das hilft z.B. nach dem Urlaub die Fotos zuzuordnen, oder Reiserouten auf Knopfdruck in einer Karte anzuzeigen. Nebenbei wird der „Spieltrieb“ bedient, indem man durch das Einchecken Punkte sammelt und „Bürgermeister“ von Lokationen werden kann (wenn man mehrmals am gleichen Ort war). Dieses Informationen sind aber auch für andere sichtbar. Ob es das Einchecken am Arbeitsplatz oder an Sehenswürdigkeiten ist – toller Service mit einem Klick, hilfreich für die anderen Nutzer (wenn man noch einen Tipp und/oder ein Foto hinterlässt) – aber ein deutliches Risiko für die eigene Person.

Viele Eltern gehen auch recht „offen“ mit Informationen über und Fotos Ihre eigenen Kinder um. Als hätten diese kein Recht auf Privatsphäre. Diese „süßen“ Fotos sind auch eine Gefahr für „anfällige“ Mitmenschen, die ohne große Mühe ihren Neigungen folgen können – und eventuell im nächsten Schritt alles haben, um die Kinder zu „finden“.

Schon die Vielzahl von Informationen, die schnell über die regelmäßige Nutzung von Status Meldungen entsteht, lässt einen Menschen sehr „gläsern“ werden – auch wenn es um scheinbar Banales geht. Mit wenig Aufwand lassen sich Vorlieben, Gesundheit, Kontakte, Beteiligungen, Verbindungen zusammenfassen und sogar grafisch darstellen.

Auch der Schreibstil und die Wortwahl lassen deutliche Rückschlüsse auf den Bildungsstand und die Herkunft zu – da ist es gar nicht Notwendig, sich in eine der vielen „Ehemaligen-Plattformen“ (z.B. Stayfriends) einzutragen …

In Sozialen Netzwerken „übliche“ Angaben wie „Status“ – also z.B. „Single“ oder „In Beziehung mit“… klingt recht banal und ist nur ein einziger Klick – viel schwieriger wird es, wenn man dann diesen wieder auf „gescheitert“ zu stellen. Wenige machen sich Gedanken, darüber, was es mit Ihnen und den Partner macht – „öffentlich“ den Beziehungsstand mit der oder dem Nächsten zu „verkünden“. Wer ist heute schon zu einem derart „offenen“ Umgang mit Beziehungen fähig?

Was passiert mit den ganzen Daten, wenn jemand „aussteigen“ möchte z.B. auf Grund schlechter/dramatischer Erfahrungen oder gar stirbt. FaceBook löscht die Daten nicht – Es ist teilweise selbst mit gerichtlichen Mitteln nicht möglich die entstandene Online-Identität zu entfernen.

Aber es passiert doch (fast) nichts!

Das ist (leider) richtig. Warum „leider“ – In meinen Augen fangen Menschen erst dann an, über Ihr Verhalten nachzudenken, wenn etwas „weh“ tut. Erst wenn wenn im Haus eingebrochen wird oder sich der Partner plötzlich sehr unsicher fühlt, weil „öffentlich“ die Abwesenheit verkündet wurde. Erst wenn plötzlich hunderte von nichtgeladenen Gästen vor der Türe stehen, wenn Mobbing oder die nächste Job-Bewerbung aus unerklärlichen Gründen abgelehnt wurde – fangen viele an über ihr Verhalten nachzudenken.

Fazit:

Würde sichtbar mehr „passieren“, gäbe es offenere (oder überhaupt) Gespräche über die Risiken und einen „gesunden“ Umgang und wie man sich verhalten soll. Einen klare Vorgabe kann es zwar nicht geben, weil das je nach Lebenssituation, Beruf und persönliche Vorstellungen und Ziele unterschiedlich sein muss, aber zumindest eine Verhaltens-Richtlinie könnte erarbeitetet werden. Auch ist es ein großer Unterschied, ob man eine Person der Öffentlichkeit (z.B. Politik), eine Firma oder Funktion vertritt oder eine Privatperson ist. Betrachtet man dann noch die kulturellen Unterschiede auf unserer Welt, wird schnell deutlich, dass hier unglaublich großes Potential – sowohl für positive Möglichkeiten – also auch für Risiken besteht.

Erwähnen sollte man auch, dass es durch diese transparenten, persönlichen und freiwilligen Informationen plötzlich für die Wissenschaft möglich wird, sehr genaue Gesellschaftsprognosen zu erstellen z.B. über Grippeverbreitung, Gesundheit, Wissensstand, aktuelle Themen etc. Natürlich auch für Firmen unbezahlbar, wer kauft was wo und warum. Marketing wird durch die Transparenz von Serviceleistungen in einen völlig neue Richtung gelenkt „Service ist die Werbung von morgen“…

Ich würde mich freuen, wenn es zu einem aktiven Austausch von Erfahrungen und Bedenken quer durch alle oben genannten Nutzerschichten gibt (auch und besonders die „Offline“ Generation). Persönlich zähle ich mich zu den Digital Natives, stelle aber fest, das es nur sehr wenige gibt, die in diesem Kreis Ihr eigenes Verhalten in Frage stellen… oder redet nur niemand darüber?

 Empfehlung:

Rein um seine Familie und seine eigene Privatsphäre zu schützen, empfehle ich sich bei Allem! was man im Internet schreibt und veröffentlicht, kurz nachzudenken, was könnte jemand, der mir Schaden will, damit anfangen – und ist es das wert. Wir können im Netz die potentiellen Leser nicht kontrollieren, also sollten wir versuchen, einen Umgang mit unseren Daten finden, den wir selbst vertreten können. Das ist eine sehr sehr schwere Aufgabe, da es hier auch noch keine Gesetze oder belastbare Erfahrungswerte wie außerhalb des Internets gibt. Mir fällt es sehr schwer hier eine Abgrenzung zu finden, da es das „echte Leben“ oder die „offline Welt“ in meinen Augen so nicht mehr gibt – viel zu eng ist die ehemals „virtuelle“ Welt in unser Leben eingezogen.

Ein erster Schritt wäre aber sicher sich Gedanken zu machen.

 

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